Die Wasserförderung über lange Wegstrecke ist eine der wenigen Aufgaben im Feuerwehrdienst, bei der sich vorher exakt ausrechnen lässt, ob es klappt. Trotzdem wird sie meistens geschätzt.
Die Faustregel „alle 300 Meter eine Pumpe“ ist eine gute Faustregel. Sie ist auch dann noch eine Faustregel, wenn die Strecke 60 Höhenmeter überwindet, mit B-Leitung doppelt verlegt ist und 1.600 Liter pro Minute liefern soll. Dann liegt sie deutlich daneben – in beide Richtungen.
Der Wasserförderungs-Rechner rechnet die Strecke durch, statt sie zu schätzen.
Die drei Größen, um die es geht
1. Reibungsverlust
Der Druck, den die Leitung selbst frisst. Er hängt vor allem an zwei Dingen: am Durchmesser und – ganz wesentlich – am Volumenstrom. Der Reibungsverlust wächst überproportional mit der Fördermenge. Wer die Fördermenge verdoppelt, verdoppelt nicht den Verlust, sondern vervielfacht ihn. Das ist der Grund, warum eine Strecke, die mit einem C-Rohr am Ende problemlos läuft, bei zwei B-Rohren zusammenbricht.
2. Höhendruckverlust
Zehn Meter Höhenunterschied kosten rund ein bar. Diese Zahl ist unbestechlich und unabhängig von der Fördermenge. Bergauf ist sie ein Verlust, bergab ein Gewinn – eine Strecke, die 40 Meter absteigt, liefert vier bar geschenkt.
3. Restdruck am Ende
Am Verteiler muss noch etwas ankommen. Wer bis auf null rechnet, hat sich verrechnet.
Warum die Reihenfolge wichtig ist
Ein Höhenprofil ist selten gleichmäßig. 300 Meter mit 30 Metern Anstieg am Anfang sind etwas völlig anderes als dieselben 300 Meter mit dem Anstieg am Ende. Die Pumpe gehört vor den Anstieg, nicht dahinter – dort, wo der Druck noch da ist, und nicht dort, wo er schon weg ist.
Was der Rechner liefert
- den Druckverlauf über die gesamte Strecke, Abschnitt für Abschnitt – man sieht, wo es eng wird;
- die Zahl der nötigen Verstärkerpumpen für den gewählten Volumenstrom;
- die Standorte dieser Pumpen, auf der Karte gesetzt – nicht als Kilometerangabe, sondern als Ort, den man anfahren kann;
- eine Abschnittstabelle zum Ausdrucken und Mitnehmen.
Wofür sich das lohnt
Objektplanung
Der abgelegene Aussiedlerhof, das Waldstück, die Kläranlage am Ortsrand: Orte, bei denen im Einsatzfall über lange Wegstrecke gefördert werden muss. Diese Strecken einmal in Ruhe durchzurechnen und den Plan in die Objektakte zu legen, ist eine Stunde gut investierte Zeit. Im Ernstfall steht die Entscheidung dann schon.
Übungsvorbereitung
Eine Wasserförderungsübung, bei der die Strecke vorher gerechnet wurde, hat ein überprüfbares Lernziel: Kommen wir auf die berechneten Werte? Die Abweichung zwischen Rechnung und Messung ist selbst der Lehrstoff – sie zeigt, wie sauber gekuppelt und wie realistisch der Volumenstrom eingeschätzt wurde.
Nachbarschaftshilfe
Wenn klar ist, dass die Strecke drei Verstärkerpumpen braucht, ist auch klar, dass die eigene Wehr sie nicht allein stellt. Diese Erkenntnis gehört in die Alarm- und Ausrückeordnung, nicht in den Einsatz.
Rechenwerte sind Planwerte
Der Rechner arbeitet mit den üblichen Werten für Schlauchreibung. Die Wirklichkeit hat alte Schläuche, verschmutzte Kupplungen, Knicke und Steigungen zwischen den Messpunkten. Die Rechnung sagt, ob eine Strecke grundsätzlich machbar ist und wo die Pumpen ungefähr hingehören – die Feinabstimmung macht der Maschinist am Manometer.
Zusammenspiel mit den anderen Werkzeugen
Die Frage „reicht der Druck?“ steht selten allein. Meist folgt sie auf „reicht überhaupt das Wasser?“ – dafür gibt es den Löschwasser-Grundschutz. Und die berechnete Strecke lässt sich in der Kartenskizze mit den Fahrzeugen zusammenbringen, die sie bedienen sollen.
Wasserförderungs-Rechner öffnen
Läuft im Browser, ohne Anmeldung und ohne Installation. Die Daten bleiben auf dem eigenen Gerät.