Jede Wehr weiß ungefähr, welche Ecke des Gemeindegebiets kritisch ist. „Ungefähr“ ist gut für das Gespräch am Stammtisch und schlecht für den Feuerwehrbedarfsplan.
Die Hilfsfrist ist die Zeit von der Alarmierung bis zum Eintreffen an der Einsatzstelle. Wie lang sie sein darf und welcher Anteil der Einsätze sie einhalten muss, regeln die Länder unterschiedlich – die Frage dahinter ist überall dieselbe: Kommen wir rechtzeitig an?
Die Hilfsfristen- und Erreichbarkeitskarte beantwortet sie flächig statt punktuell.
Wie die Karte entsteht
Über das Gemeindegebiet wird ein Raster gelegt. Für jede Zelle holt das Werkzeug die Fahrzeit vom Gerätehaus – über das echte Straßennetz, nicht als Luftlinienkreis. Der Unterschied ist erheblich: Eine Luftlinie von zwei Kilometern kann über die Straße acht Kilometer sein, wenn eine Bahnlinie, ein Fluss oder ein Hang dazwischenliegt.
Auf die reine Fahrzeit kommt die Ausrückezeit obendrauf – die Zeit von der Alarmierung bis zum Verlassen des Gerätehauses. Bei einer Freiwilligen Feuerwehr ist das die dominierende Größe, und sie ist die einzige, die die Wehr selbst beeinflussen kann.
Die Ausrückezeit entscheidet über das Ergebnis
Wer die Ausrückezeit optimistisch ansetzt, bekommt eine schöne Karte, die nichts wert ist. Eine Minute mehr oder weniger verschiebt den Erreichungsgrad um zweistellige Prozentpunkte. Deshalb ist die geschätzte Ausrückezeit die schwächste Stelle jeder Hilfsfristbetrachtung – und der Grund, warum sich das Werkzeug lieber echte Daten holt.
Echte Einsatzdaten statt Annahmen
Die Einsatzliste der Leitstelle lässt sich als CSV einlesen. Daraus liest das Werkzeug, was tatsächlich gemessen wurde: Ausrückezeiten, Fahrzeiten, Eintreffzeiten. Damit ändern sich zwei Dinge grundlegend.
Erstens steht neben dem Modell die gemessene Zahl: Welcher Anteil der tatsächlichen Einsätze lag in der Frist? Das ist kein Modellwert mehr, sondern ein Befund.
Zweitens lässt sich die Ausrückezeit aus den eigenen Daten übernehmen statt sie zu schätzen. Ebenso der Korrekturfaktor zwischen gerechneter und tatsächlich gefahrener Zeit – Routing-Software fährt regelkonform, Einsatzfahrzeuge mit Sonderrechten fahren anders.
Vorsicht bei der Dispositionszeit
Einsatzlisten der Leitstelle beginnen die Messung meist bei der Alarmierung, nicht beim Notrufeingang. Die Dispositionszeit der Leitstelle steckt dann nicht in den Daten. Je nachdem, ob die eigene Landesregelung sie zur Hilfsfrist zählt, verschiebt sich das Ergebnis erheblich – bei anderthalb Minuten Disposition kann aus einem Erreichungsgrad von 71 % ein Wert um die 46 % werden. Wer mit den Zahlen argumentiert, muss sagen, was gemessen wurde.
Den zweiten Standort durchspielen
Die politisch heikelste Frage in der Bedarfsplanung lautet: Braucht es ein zweites Gerätehaus, und wenn ja, wo? Ein zweiter Standort lässt sich probeweise auf die Karte setzen; die Karte rechnet neu und zeigt den Gewinn in Prozentpunkten.
Das ist auch deshalb nützlich, weil es oft das Gegenteil zeigt: Ein Standort, der gefühlt viel bringen müsste, bringt zwei Prozentpunkte, weil dort kaum jemand wohnt. Eine Diskussion mit dem Gemeinderat über zwei Prozentpunkte ist ehrlicher als eine über ein ungutes Gefühl.
Gerätehäuser muss niemand abtippen
Die Standorte im Gebiet holt sich das Werkzeug aus OpenStreetMap – dort sind Feuerwehrgerätehäuser flächendeckend erfasst. Gesucht wird etwas über die Gebietsgrenze hinaus, weil das nächste Gerätehaus regelmäßig in der Nachbargemeinde steht.
Wofür das Ergebnis taugt
- Feuerwehrbedarfsplan – die Erreichbarkeitsanalyse ist Pflichtbestandteil und wird sonst extern eingekauft.
- Standortdiskussion – Neubau, Verlagerung, Zusammenlegung von Abteilungen.
- Argument für Tagesalarmbereitschaft – wenn sich zeigt, dass nicht die Fahrzeit das Problem ist, sondern die Ausrückezeit werktags vormittags, ist das eine Personalfrage und keine Standortfrage.
- Ehrlichkeit nach innen – zu wissen, wo man nicht rechtzeitig ankommt, ändert die Alarm- und Ausrückeordnung.
Das PDF nimmt die Einsatzzahlen mit
Die Auswertung lässt sich als PDF ausgeben – mit einem eigenen Abschnitt für die gemessenen Einsätze. Übertragen werden dabei nur Kennzahlen, keine Einzeleinsätze und keine personenbezogenen Daten.
Hilfsfristen- und Erreichbarkeitskarte öffnen
Läuft im Browser, ohne Anmeldung und ohne Installation. Die Daten bleiben auf dem eigenen Gerät.