Ein Werkzeug lässt sich schlecht an einer leeren Karte erklären. Deshalb steht jetzt eine vollständige Lage darin: ein Waldbrand über sieben Stunden, vier Einsatzabschnitte, sechs Führungsstellen, 69 Einträge, vier Aufnahmen – und am Ende ein Bericht mit sechzehn Seiten. Sie hat es nie gegeben. Alles andere daran ist echt.
Was fiktiv ist und was nicht
Die Lage ist erfunden. Es hat keinen Waldbrand im Rehholz gegeben, keine Alarmierung, keinen Einsatz. Wer die Beteiligten anruft, wird nichts davon erfahren.
Echt sind: die Geografie samt Flurnamen aus OpenStreetMap, und die Fahrzeuge der beteiligten Wehren mit ihren Funkrufnamen, so wie sie auf deren Internetseiten stehen.
Die vier Aufnahmen sind KI-erzeugt und zeigen keinen realen Einsatz, keine reale Einsatzstelle und keine realen Personen. Sie stehen an der Stelle, an der im Einsatz Handyfotos aus dem Bestand stünden.
Der Ort: das Rehholz zwischen Schleinsee und Wielandssee
Nördlich von Kressbronn am Bodensee, zwischen Schleinsee und Wielandssee, liegt ein Waldstück namens Rehholz. Ringsherum Weiler mit Namen, die man sich nicht ausdenken kann – Unterwolfertsweiler, Rattenweiler, Busenhaus, Gitzensteig – und Flurnamen wie Schleinseehalde, Fuchsreute und Hochreute. Sie stehen auf der Karte, weil sie wirklich dort stehen; jede Koordinate dieser Lage ist aus OpenStreetMap geholt und nicht geschätzt.
Das ist keine Kosmetik. Eine Übungslage, die in einem erfundenen Wald spielt, lässt sich nicht gegenlesen: Man sieht ihr nicht an, ob die Wasserentnahme dort möglich wäre, ob der Weg zum Riegel führt, ob die Sicherheitszone in einem Bestand liegt. Mit echter Geografie kann jeder mit Ortskenntnis sagen: das geht so – oder eben nicht.
Der Ablauf
Die Lage beginnt um 14:12 Uhr mit einem Notruf über Rauch im Bestand und endet um 20:42 Uhr mit der Übergabe an die Brandwache. Dazwischen liegt, was in so einer Lage üblicherweise liegt:
- 14:12–14:40 · Erstalarm. Kressbronn mit LF 20 und TLF 4000, Erkundung ergibt 0,4 ha Bodenfeuer. Ankerpunkt am Waldweg, Brandsaum aufgenommen, Rettungsweg und Sicherheitszone festgelegt, bevor der erste Trupp in den Bestand geht.
- 14:40–15:30 · Abschnitte. Nord an Tettnang, Süd an Langenargen, Wasser an Eriskirch. Förderstrecke vom Schleinsee, Übergabepunkt mit Faltbehälter am Waldweg, Riegelstellung am Himmelbergweg mit einem Triggerpunkt davor.
- 15:30–17:00 · Es wird schlechter. Ein Spotfeuer 220 m vor dem Saum, die Brandfläche wächst auf 1,1 ha, der Schleinsee trägt die Förderstrecke nicht mehr allein – Pendelverkehr vom Degersee dazu. Der ELW 2 aus Friedrichshafen übernimmt die Führungsunterstützung.
- 17:00–19:00 · Vierter Abschnitt. Ost an Meckenbeuren, Riegel Richtung Wielandssee. Wundstreifen von Hand, Löschhubschrauber angefragt und nicht bekommen, ein Wasseraufnahmepunkt vorsorglich erkundet.
- 19:00–20:42 · Feuer aus. Der Saum steht seit 18:20, 1,4 ha Endfläche, Nachlöschen mit Wärmebildkamera, Kräfte reduziert, Brandwache bis 06:00.
Eine Karte reicht dafür nicht
Auf einem einzigen Bild liegen am Ende 58 Zeichen. Das ist als Übersicht richtig und für die Führung eines Abschnitts unbrauchbar: Wer den Abschnitt Nord führt, sucht seine Zeichen zwischen allen anderen. Über der Karte stehen deshalb Reiter, und die entstehen aus der Lage selbst – ein Abschnitt, den niemand einträgt, bekommt keinen.
Der Gewinn ist der Maßstab. Die Gesamtansicht spannt gut drei Kilometer, das Abschnittsblatt Nord noch gut einen – auf demselben Blatt Papier. Zeichen ohne Abschnitt und alle sicherheitsrelevanten stehen mit darauf: Ein Rettungsweg, der im Nachbarabschnitt beginnt, ist genau der, den man beim Rückzug sucht. Den Ausschnitt ziehen sie aber nicht auf, sonst wäre der Maßstabsgewinn wieder weg.
Daneben gibt es Themenkarten. Sicherheit zeigt Rettungswege, Sicherheitszonen, Triggerpunkte und was brennt – 18 Zeichen statt 58. Wasser zeigt Entnahme, Übergabe, Förderstrecke und Pendelverkehr. Kräfte zeigt, wer wo steht.
Eigene Ansichten – was nicht auf die Lagekarte gehört
Zwei Dinge in dieser Lage würden die Lagekarte zustellen, ohne irgendjemandem zu nützen: die Einteilung des Wundstreifens in drei Abschnitte, die der Abschnittsführer Nord der Reihe nach abarbeiten lässt, und die Verstärkerstelle samt Maschinist in der Förderstrecke. Beides ist für den, der es eingetragen hat, wichtig und für alle anderen Rauschen.
Dafür gibt es eigene Ansichten: ein selbst gewählter Ausschnitt mit Namen, und was man einträgt, solange er oben liegt, gehört ihm allein. Gedruckt wird es auf seinem Blatt; auf Gesamt, Themen und Abschnitten erscheint es nicht. Sie stehen nicht als weitere Reiter in der Leiste, sondern hinter einer Auswahlliste – sonst wäre die Übersicht dahin, für die die Reiter angetreten sind. In der Liste steht neben dem Namen, wer sie angelegt hat.
Aufnahmen sind davon ausgenommen
Ein Foto ist Beweisstück und keine Skizze. Es steht auf jeder Karte, auch auf der Gesamtansicht, und lässt sich über das Häkchen über der Karte gemeinsam ausblenden. Eine Aufnahme, die nur auf einer selbstgebauten Ansicht liegt, hätte im Zweifel niemand gesehen.
Vier Aufnahmen, davon eine aus dem Funkloch
In der Lage liegen vier Aufnahmen: Bodenfeuer an der Südflanke, die Rauchsäule von der Feldkante bei Wielandsweiler, die Saugstelle am Schleinsee mit sichtbar niedrigem Wasserstand und der Riegel am Himmelbergweg – links abgebrannt, rechts grün.
Genau dort, wo solche Aufnahmen entstehen, ist die Verbindung am schlechtesten. Bis vor kurzem scheiterte das Foto deshalb daran: Der Upload lief sofort, und ohne Netz war es weg – samt Verortung und getippter Bezeichnung. Inzwischen wandert es in eine Warteschlange auf dem Gerät, der Eintrag entsteht trotzdem und zeigt das Bild aus dem eigenen Speicher, und beides geht zusammen raus, sobald wieder Netz da ist. Die Standzeile sagt dabei, was gerade läuft.
Was am Ende dasteht
Der Lagebericht der Übungslage hat sechzehn Seiten: zehn Kartenblätter im Querformat – Gesamtansicht, drei Themen, vier Einsatzabschnitte, zwei eigene Ansichten –, danach die Kennzahlen, der vollständige Verlauf mit allen 69 Einträgen samt Gestrichenem und Abgelöstem, und zuletzt die Aufnahmen mit Uhrzeit, Herkunft der Verortung und meldender Stelle.
Der Bericht zum Durchblättern
Lagebericht Waldbrand Rehholz (PDF, 2,8 MB, 16 Seiten) – so, wie ihn das Werkzeug mit Lizenzschlüssel ausgibt: ohne Wasserzeichen, mit Prüfcode im Kopf, mit dem sich unter lage-pruefen.html nachweisen lässt, dass die Datei echt und seither unverändert ist.
Weitere Beispiele stehen auf der Beispielseite.
Zwei Dinge, die beim Bauen aufgefallen sind
Eine Übungslage dieser Größe ist auch eine Prüfung des Werkzeugs, und sie hat zwei Fehler gefunden. Der eine: Ein Einsatzabschnitt darf heißen, wie er will – hier heißt einer „Wasser“, und damit standen zwei Reiter gleichen Namens nebeneinander, das Thema und der Abschnitt. Die Abschnitte tragen jetzt ein „EA“ davor, wie am Funk auch.
Der andere war schlimmer. Der Rand um einen Kartenausschnitt war fest auf rund 450 Meter gesetzt. Auf der ganzen Lage ist das ein schmaler Saum; auf einem Abschnitt von 400 Metern Kantenlänge ist es das Dreifache der Fläche. Das erste Abschnittsblatt sah entsprechend aus: die Zeichen als Häufchen in der Mitte, ringsum Landschaft. Der Rand wächst jetzt mit dem Ausschnitt mit.
Nachgereicht: warum jede Zeile das trägt
Im Bericht steht hinter jeder Uhrzeit ein „nachgereicht“. Das ist richtig so: Die Lage wurde für dieses Beispiel an einem Stück erfasst und auf den Vortag zurückdatiert. Im Einsatz erscheint der Vermerk nur dort, wo wirklich aus einem Funkloch nachgereicht wurde – und dann ist er die wichtigste Angabe der Zeile.
Die beteiligten Wehren
Sechs Führungsstellen, sechs Wehren aus dem Bodenseekreis: Kressbronn stellt die Einsatzleitung mit dem ELW 1 sowie LF 20, TLF 4000 und GW-T. Langenargen führt den Abschnitt Süd mit HLF 20 und LF 10. Tettnang führt den Abschnitt Nord mit ELW 1 und zwei LF 20/16. Eriskirch führt den Abschnitt Wasser mit TLF 16/25 und LF 16/12. Meckenbeuren führt den Abschnitt Ost mit KdoW, TLF und den LF 10 aus Meckenbeuren und Kehlen. Friedrichshafen stellt den ELW 2 für die Führungsunterstützung und einen GW-T für den Nachschub.
Die Funkrufnamen stammen von den Internetseiten der Wehren und aus der Fahrzeugdatenbank bos-fahrzeuge.info. Wenn dort etwas veraltet ist, ist es hier ebenfalls veraltet – für den Zweck des Beispiels ändert das nichts.
Was das Nachbauen voraussetzt
Diese Lage anzulegen gehört zur Lizenz der Wehr. Ihr mit dem Zugangscode beizutreten und darin zu arbeiten — Zeichen setzen, Bilder hochladen, Auszug und Bericht drucken — ist frei und braucht weder Schlüssel noch Anmeldung. Die sechs Führungsstellen in diesem Beispiel haben also genau einmal eine Lizenz gebraucht: an der Einsatzleitung, die die Lage eröffnet hat. Mehr dazu unter Preise & Lizenz.
Diese Lage steht offen: Sie lässt sich hier aufschlagen — mit allen 73 Einträgen, den vier Aufnahmen, dem Zeitverlauf und den Kartenblättern. Sie ist beendet und nimmt nichts mehr auf, lesen und drucken geht ohne Schlüssel. Wer selbst eine anlegen möchte, bekommt auf Anfrage einen Probeschlüssel für 60 Tage.
Eine eigene Lage anlegen
Ohne Konto, ohne Kennwort: Wer den Code hat, ist dabei. Nach 30 Tagen ohne Änderung wird sie gelöscht.