Bei einer Lage über mehrere Abschnitte weiß niemand mehr alles. Der Abschnitt Nord kennt seine Riegelstellung, der Abschnitt Süd seine Kampfmittelfläche, die Einsatzleitung braucht beides – und am Funk geht das eine oder andere unter. Die Waldbrand-Führungskarte ist der Versuch, dieses Bild an einer Stelle zusammenzuführen, ohne dafür eine Einsatzführungssoftware zu beschaffen.
Kein Konto, ein Code
Wer eine Lage anlegt, bekommt einen zwölfstelligen Zugangscode. Wer ihn hat, ist dabei – als QR-Code, als Link oder über Funk buchstabiert. Der Code enthält kein I, O, 0 und 1, weil die am Funk verwechselt werden. Es gibt keine Registrierung, keine Benutzerverwaltung und kein Kennwort. An der Einsatzstelle wird keine Kontenverwaltung bedient.
Das ist eine bewusste Abwägung
Wer den Code hat, kann lesen und schreiben. Geben Sie ihn nur an die Stellen weiter, die ihn brauchen. Gegen das Durchprobieren von Codes gibt es eine Bremse, und eine Lage lässt sich jederzeit sofort und vollständig löschen – mit Eingabe des Wortes LÖSCHEN, damit es nicht versehentlich passiert.
Anlegen kostet, Mitmachen ist frei
Eine Lage anzulegen gehört zur Lizenz der Wehr — genau wie der Übungsnachweis im PDF oder die Anbindung an rescueTABLET. Alles andere nicht: Beitreten, Zeichen setzen, ändern, streichen, Bilder hochladen, Auszug und Bericht drucken, sichern und prüfen braucht keinen Schlüssel und keine Anmeldung.
Das ist keine Preisstaffel, sondern folgt der Sache: Eine Lage entsteht einmal je Einsatz, an der Führungsstelle. Ihr beitreten und darin arbeiten tun die zwanzig Geräte an der Einsatzstelle — der Abschnittsführer mit dem Diensthandy, die Nachbarwehr, der Kreisbrandmeister, der von unterwegs mitliest. Keines davon darf je vor einer Bezahlschranke stehen, und keines hat mit der Lizenz der anlegenden Wehr etwas zu tun.
Vorher ansehen, vorher erproben
Eine offene Beispiellage steht bereit: Waldbrand Rehholz über sieben Stunden, vier Einsatzabschnitte, sechs Führungsstellen, 73 Einträge. Sie ist beendet und nimmt nichts mehr auf — ansehen, Zeitverlauf abspielen, Karten wechseln und den Bericht drucken geht trotzdem, ganz ohne Schlüssel.
Wer mit einer eigenen Lage im Dienst üben will, bekommt auf Anfrage einen Probeschlüssel für 60 Tage — lang genug für eine ganze Übungsreihe.
Eine begonnene Lage läuft zu Ende
Geprüft wird nur beim Anlegen, nie beim Eintragen. Läuft der Schlüssel mitten im Einsatz ab, arbeitet die Lage bis zu ihrem Ende weiter. Ein Einsatz darf nicht an einem Ablaufdatum sterben.
Auf einer selbst betriebenen Anlage entfällt die Prüfung ganz. Was eine Lizenz kostet, steht unter Preise & Lizenz.
Angefügt, nie überschrieben
Jeder Eintrag ist unveränderlich. Eine Korrektur ist ein neuer Eintrag, der den alten ablöst; der alte bleibt mit Grund durchgestrichen stehen. Wer später fragt, warum etwas nicht mehr gilt, bekommt eine Antwort – „aufgehoben, das Feuer hat die Hangkante nicht erreicht“ ist eine andere Aussage als ein verschwundenes Zeichen.
Auf der Karte steht trotzdem standardmäßig nur der letzte Stand. Eine durchgestrichene Sicherheitszone neben der gültigen ist genau die Doppelung, bei der im Einsatz die falsche Marke stehen bleibt. Wie viel ausgeblendet ist, sagt das Werkzeug dazu – still verschwinden darf nichts.
Ohne Netz wird weitergearbeitet
Im Wald ist das Funkloch der Normalfall. Neue Einträge gehen deshalb in eine Warteschlange im Browser und werden nachgereicht, sobald wieder Kontakt besteht. Eine Standzeile sagt durchgehend, wie alt der Stand ist und wie viele Einträge noch warten. Auch ein neu geladener Reiter funktioniert ohne Verbindung.
Dabei behält jeder Eintrag die Zeit seiner Meldung, nicht die seiner Übertragung. Was um 14:10 ohne Netz eingetragen und um 16:20 nachgereicht wurde, steht im Zeitverlauf auf 14:10 – sonst behauptete die Aufzeichnung, dazwischen sei nichts geschehen.
Das gilt seit Kurzem auch für Aufnahmen. Sie entstehen dort, wo die Verbindung am schlechtesten ist, und gingen bis dahin genau dort verloren: Der Upload lief sofort, und ohne Netz war das Foto weg, samt Verortung und getippter Bezeichnung. Jetzt wartet es auf dem Gerät, der Eintrag entsteht trotzdem und zeigt das Bild aus dem eigenen Speicher – und beide gehen zusammen raus, sobald es wieder geht. Die Standzeile sagt dabei mit, was gerade übertragen wird.
Jede Ebene sieht ihr Maß
Wer seine Führungsstufe und seinen Einsatzabschnitt einstellt, bekommt das, was ihn angeht. Ein Zugführer braucht nicht jedes Fahrzeug der Nachbarflanke; ein Stab braucht nicht jede einzelne Marke. Eine Regel steht aber über dem Filter:
Sicherheitsrelevantes wird nie ausgeblendet
Rettungsweg, Sicherheitszone, Triggerpunkt, Luftfahrzeugeinsatz, Spotfeuer, Brandsaum und Kampfmittelfläche stehen immer – unabhängig von Stufe und Abschnitt. Wer nicht wissen muss, wo die gegenüberliegende Flanke steht, muss trotzdem wissen, dass über ihm abgeworfen wird. Und wie viel der Filter wegnimmt, steht nach Art und Anzahl auf dem Schirm: Ein stiller Filter wäre hier gefährlicher als gar keiner.
Mehrere Karten statt einer
Eine Lage mit Einsatzabschnitten ist auf einem einzigen Bild nur noch als Ganzes zu lesen. Über der Karte stehen deshalb Reiter: eine Gesamtansicht, je Einsatzabschnitt eine auf dessen Ausdehnung gezoomte Karte und die Themenkarten Sicherheit, Wasser und Kräfte. Die Liste steht nicht fest, sie entsteht aus der Lage – ein Abschnitt, den niemand einträgt, bekommt keinen Reiter.
Dazu kommen eigene Ansichten: ein selbst gewählter Ausschnitt mit Namen, und was man einträgt, solange er oben liegt, gehört ihm allein. Gedruckt wird es auf seinem Blatt, auf den anderen Karten erscheint es nicht – so lässt sich eine Detailskizze anlegen, ohne die Lagekarte zuzustellen. Sie stehen hinter einer Auswahlliste statt in der Reiterreihe, und dort steht neben dem Namen, wessen Blick das ist. Auszug und Bericht enthalten alle angekreuzten Karten, jede als eigene Querseite.
Zeichen, Zeitverlauf, Papier
- Taktische Zeichen nach der Fachempfehlung @fire FE-07-25, ergänzt um die amtlichen Zeichen des Bevölkerungsschutzes, wo es sie gibt.
- Zeitverlauf mit Schieberegler: Die Lage lässt sich zurückspulen und abspielen, weil die Geschichte ohnehin im Verzeichnis liegt.
- Bilder aus dem Einsatzraum, verortet aus den Bilddaten oder vom Gerätestandort – mit Angabe, woher der Ort stammt.
- Auszug als aufgehelltes Arbeitsblatt zum Nachtragen von Hand, Bericht als vollständige Nachbereitung mit allem, was gestrichen und abgelöst wurde.
Bewusst nicht enthalten
Keine Atemschutzüberwachung, keine Alarmierung, keine Rückmeldepflicht. Nichts, wovon unmittelbar Leben abhängt, darf daran hängen, dass ein Browserfenster offen bleibt. Das Werkzeug ist eine Lagedarstellung und keine Führungsunterstützung im Rechtssinn – es bildet ab, was Führungsstellen eingetragen haben, nicht was ist.
Wie ein fertiger Bericht aussieht
Sieben Stunden Waldbrand erzählt eine vollständige Übungslage nach – vier Einsatzabschnitte, sechs Führungsstellen, zehn Kartenblätter – und verlinkt den Bericht dazu.
Unter Beispiele liegt außerdem der vollständige Lagebericht einer Übungslage: ein fiktiver Vegetationsbrand über drei Einsatztage, 82 Einträge, sechs Führungsstellen – mit Schlussbild, Verzeichnis und Abschlussbemerkung.
Eine Lage anlegen und den Code weitergeben
Zwölf Zeichen, kein Konto, keine Installation. Wer den Code hat, sieht dasselbe Bild — und braucht dafür selbst keine Lizenz.