Eine Gemeinschaftsübung scheitert selten am Übungsabend. Sie scheitert in den Wochen davor, wenn drei Wehren jede für sich planen und erst am Objekt merken, dass ihre drei Pläne nicht zusammenpassen. Wer eine Übung für mehrere Wehren aus einem Guss haben will, braucht vor allem eines: eine Stelle, an der die Lage entsteht.
Der Ablauf ist fast überall derselbe. Man verabredet sich auf ein Objekt und einen Termin, jeder Kommandant nimmt sich „seinen Teil" vor, und am Abend stehen drei Übungen nebeneinander auf demselben Hof. Die Ortswehr übt den Innenangriff, die Nachbarwehr baut eine Wasserversorgung auf, die dritte wartet mit der Drehleiter, bis sie jemand braucht.
Das sieht nach Zusammenarbeit aus, ist aber keine. Geübt wurde alles, nur nicht das, wofür man sich überhaupt zusammengetan hat.
Geübt wird die Nahtstelle
Eine einzelne Wehr kann ihren Innenangriff auch allein üben. Eine Gemeinschaftsübung lohnt den Aufwand nur dort, wo die Wehren aufeinander angewiesen sind. Das sind fast immer dieselben vier Stellen:
| Nahtstelle | Was dabei geprüft wird |
|---|---|
| Wasserversorgung | Speist die Nachbarwehr ins Netz der Ortswehr ein? Wer entscheidet, wo die Verstärkerpumpe steht? |
| Abschnittsbildung | Übernimmt ein Gruppenführer der Nachbarwehr einen Einsatzabschnitt – mit Auftrag, Grenze und Funkweg? |
| Nachrücken | Gibt es einen Bereitstellungsraum, bevor das dritte Fahrzeug eintrifft, oder fährt es bis vor die Tür? |
| Führung | Wer führt, wenn der Ortskommandant im Innenangriff steckt? Weiß die Nachbarwehr, bei wem sie sich meldet? |
Jede Gemeinschaftsübung sollte mindestens eine dieser Nahtstellen zum Lernziel haben, besser zwei. Alles andere ist Beiwerk und darf aus der Routine der Wehren kommen.
Eine Hand plant, alle lesen
Der wichtigste Schritt ist organisatorisch: Eine Person schreibt die Lage, und zwar für alle. Die beteiligten Kommandanten liefern zu, was nur sie wissen – Fahrzeuge, Besatzungsstärke, Anfahrtszeit – und lesen den Entwurf gegen. Sie schreiben aber nicht jeder ein eigenes Kapitel.
Ein Anhalt für den Vorlauf, aus der Praxis und ohne Anspruch auf Vorschrift:
| Vorher | Was feststehen muss | Wer |
|---|---|---|
| 6 Wochen | Objekt, Termin, Lernziel an der Nahtstelle | Alle Kommandanten gemeinsam |
| 4 Wochen | Fahrzeuge und Besatzung je Wehr, wer im Erstalarm, wer nachrückt | Je Wehr an die Übungsleitung |
| 2 Wochen | Fertige Lage mit Aufträgen je Wehr, zum Gegenlesen verteilt | Übungsleitung |
| 1 Woche | Begehung mit dem Eigentümer, Sicherheitshinweise, Funkkanal | Übungsleitung und Ortswehr |
| Am Abend | Kurze Einweisung der Beobachter, Übungsuhr läuft | Übungsleitung |
Die Übungsleitung sollte nicht aus der Ortswehr kommen, wenn es sich vermeiden lässt. Wer das Objekt kennt, plant unbewusst um die Stellen herum, an denen die eigene Wehr Schwierigkeiten hätte.
Wer kommt wann
Im Einsatz stehen nie drei Wehren gleichzeitig vor dem Objekt. Die Ortswehr ist zuerst da, die Nachbarwehr kommt mit der Alarmstufenerhöhung, die Drehleiter aus der Stadt braucht ihre Anfahrt. Genau diese Staffelung ist der Stoff der Übung: Die ersten zehn Minuten muss die Ortswehr allein tragen, und ihre Entscheidungen bestimmen, wie die Nachrückenden eingesetzt werden können.
| Minute | Wer | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| 00 | Ortswehr, Erstalarm | Erkundung, erster Trupp, Lagemeldung mit Nachforderung |
| 08 | Nachbarwehr, zweite Welle | Meldet sie sich an? Bekommt sie einen Auftrag oder einen Parkplatz? |
| 15 | Drehleiter, dritte Wehr | Ist die Aufstellfläche frei, oder steht dort schon ein Löschfahrzeug? |
| 20 | Übungsleitung | Eine Störung an der Nahtstelle, etwa der Ausfall der Einspeisung |
| 35 | Alle | Abschnitte stehen – wird nach oben gemeldet oder nur noch nach innen gearbeitet? |
Die Anfahrt wird gespielt, nicht gefahren
Die nachrückenden Wehren warten an einem Sammelpunkt in der Nähe und rücken auf Abruf der Übungsleitung vor, ohne Sonderrechte. Die Minuten aus der Tabelle stammen aus dem Plan, nicht aus dem Gaspedal. Wer die echte Anfahrtszeit kennt, setzt sie ein – realistischer wird die Übung dadurch, schneller gefahren wird deshalb nicht.
Die Fahrzeuge aller Wehren in einer Liste
Damit die Lage zu dem passt, was am Abend tatsächlich vorfährt, braucht die Übungsleitung die Fahrzeuge aller Beteiligten. Der Fuhrpark-Assistent macht daraus einen Einrichtungs-Link: Jede Wehr baut ihre Liste einmal auf und schickt den Link, die Übungsleitung tippt alle drei an und hat danach einen gemeinsamen Fuhrpark.
Zwei Angaben am Fahrzeug tragen dabei die ganze Übung:
- Abteilung – hier steht der Name der Wehr. Daran erkennt jedes Werkzeug, woher ein Fahrzeug kommt, gruppiert die Listen danach und setzt im Übungsnachweis eine Unterschriftszeile je Wehr.
- Welle – 1 für den Erstalarm, 2 für alle, die nachrücken. Fahrzeuge der zweiten Welle bekommen keinen Erstauftrag; sie stehen im Cockpit zur Nachalarmierung bereit.
Ohne Abteilung werden zwei LF 20 zu einem
Beim Einlesen gleicht der Fuhrpark ab statt zu ersetzen, und er erkennt ein Fahrzeug an Name und Abteilung. Haben die Ortswehr und die Nachbarwehr je ein „LF 20" und keine Abteilung eingetragen, hält er das zweite für das erste und überschreibt es. Deshalb trägt jede Wehr ihren Namen als Abteilung ein, bevor sie den Link verschickt.
Ein Auftrag je Wehr, auf Papier
Aus dem gemeinsamen Fuhrpark baut der Szenario-Generator die Lage: Meldebild, Erschwernisse, Lernziele und für jedes Fahrzeug der ersten Welle einen Auftrag. Mit der Option Einsatzabschnitte anlegen ordnet er jedes Fahrzeug seinem Abschnitt zu – Brandbekämpfung, Wasserversorgung und so weiter.
Das ist bewusst getrennt: Die Abteilung sagt, woher ein Fahrzeug kommt, der Abschnitt, womit es in dieser Übung beschäftigt ist. Das LF der Nachbarwehr kann genauso gut im Abschnitt der Ortswehr arbeiten – und genau das ist oft die interessanteste Lage.
Die fertige Lage geht als Datei an die anderen Kommandanten. Wer sie einliest, verliert nichts von seinen eigenen Lagen und Vorlagen, und er sieht dieselben Aufträge wie die Übungsleitung. Gegengelesen wird damit nicht ein Entwurf in einer Mail, sondern genau das, was am Abend ausgegeben wird.
Beim Schreiben fällt auf, was sonst am Abend auffällt
Zwei Wehren mit demselben Auftrag, ein Abschnitt ohne Fahrzeug, eine Drehleiter, für die keine Aufstellfläche vorgesehen ist: Solche Fehler sieht man auf einer gemeinsamen Liste beim Durchlesen. Auf drei getrennten Plänen sieht man sie erst am Objekt.
Am Abend: eine Übungsleitung, ein Protokoll
Das Trainer-Cockpit übernimmt die Lage und führt die Übungsuhr. Die Nachalarmierung ist nach Wehren gruppiert, die zweite Welle steht oben – wer bei einer Gemeinschaftsübung nachalarmiert, sucht zuerst nach der Wehr, nicht nach dem Fahrzeug. Störungen gehen gezielt an einzelne Fahrzeuge, auch an das richtige von zwei gleichnamigen.
Nebenher entsteht das Protokoll: welches Fahrzeug wann eintraf, welche Meldung wann einging, was daraus wurde. In der Nachbesprechung wird daraus ein Zeitstrahl, und auf dem steht etwas, das in drei getrennten Nachbesprechungen in drei Gerätehäusern nie zur Sprache käme: wie lange die Nachbarwehr zwischen Ankunft und erstem Auftrag gewartet hat.
Deshalb gehört die Nachbesprechung an denselben Abend und an einen Tisch. Jede Wehr wird ihre eigene Runde danach trotzdem machen. Die gemeinsame ist die einzige, in der die Nahtstelle besprochen wird.
Arbeiten an dem Abend mehrere Führungsstellen mit eigenen Geräten, etwa Abschnittsführer mit Diensthandy, lohnt ein Blick auf das gemeinsame Lagebild. Für die meisten Gemeinschaftsübungen reichen aber eine Übungsleitung und ein Protokoll.
Und im nächsten Jahr
Eine Gemeinschaftsübung, die funktioniert hat, ist im nächsten Jahr mit getauschten Rollen fast dieselbe Übung: Die Nachbarwehr ist Ortswehr, die Ortswehr rückt nach. Der Fuhrpark steht schon, die Lage muss nur auf ein anderes Objekt umgeschrieben werden. Und wenn sie gut war: auf den Marktplatz. Drei Wehren und ein Objekt gibt es in jedem Landkreis.