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Übungssteuerung

Unwetterlage üben: zwölf Einsatzstellen und ein Überblick

25. August 2026· 6 min Lesezeit· Werkzeug: Trainer-Cockpit
Funkgerät und Helm auf dem Tisch der Übungsleitung

Die Sturmlage ist die Übung, die am häufigsten misslingt – und zwar in beide Richtungen. Entweder kommen so wenige Meldungen, dass sich alle langweilen, oder so viele, dass nach zwanzig Minuten niemand mehr weiß, welcher Trupp wo ist. Dazwischen liegt ein schmaler Bereich, und der lässt sich planen.

Alle anderen Übungen drehen sich um eine Einsatzstelle: ein Objekt, ein Auftrag, alle Kräfte darauf. Der Sturm funktioniert genau andersherum. Zwölf Meldungen in einer Stunde, jede für sich harmlos, und keine davon darf liegen bleiben.

Geübt wird deshalb nicht das Absägen. Geübt wird die Reihenfolge.

Wie viele Meldungen eine Wehr verträgt

Eine Faustzahl aus der Praxis, keine Vorschrift: Eine Wehr arbeitet ungefähr so viele Einsatzstellen gleichzeitig ab, wie sie selbstständige Trupps stellen kann. Ein LF mit neun Kräften trägt zwei, vielleicht drei Stellen – mehr nicht, wenn jede Stelle einen Trupp mit Gerät und einer klaren Aufgabe bekommen soll.

Für die Übung heißt das: Die Zahl der Meldungen bemisst sich nicht am Sturm, sondern an der Mannschaft. Als Anhalt trägt eine Wehr über einen Übungsabend etwa das Zwei- bis Dreifache dessen, was sie gleichzeitig abarbeiten kann.

VerfügbarGleichzeitigMeldungen über 90 Minuten
Ein LF, 9 Kräfte2 Stellen5 bis 6
LF + MTW, 14 Kräfte3 Stellen8 bis 9
Löschzug, 20+ Kräfte4 bis 5 Stellen12 bis 14

Wer mehr einplant, übt nicht mehr Stress, sondern Frust. Der Unterschied ist, ob am Ende eine Entscheidung stand oder nur ein Durcheinander.

Der Takt entscheidet, nicht die Menge

Zwölf Meldungen auf einmal sind kein Sturm, sondern ein Zettelstapel. Zwölf Meldungen gleichmäßig über neunzig Minuten sind eine ruhige Nacht. Was fordert, ist der ungleichmäßige Takt: eine ruhige Anfangsphase, dann eine Welle, dann eine Meldung, die alles vorher Entschiedene wieder aufmacht.

MinuteMeldungWas sie prüfen soll
00Baum auf Fahrbahn, KreisstraßeDer einfache Einstieg – ein Trupp, klare Sache
04Dachziegel auf Gehweg, OrtsmitteAbsperren statt arbeiten: Wer erkennt das?
09Keller läuft voll, WohnhausErste echte Priorisierung gegen die beiden davor
12Baum auf Fahrzeug, Person unklarMenschenleben – alles andere wartet ab jetzt
14Zwei weitere Bäume, NebenstraßenDie Welle: Jetzt reicht es nicht mehr für alle
20Rückmeldung: Person unverletztEntlastung – wird sie zum Umdisponieren genutzt?
28Gemeinde meldet Straße gesperrtEine Meldung ohne Auftrag: nur Lagebild
35Kellerlage wird größer, ÖlgeruchEine erledigte Stelle kommt zurück
44Nachbarwehr fragt nach UnterstützungDie Frage nach außen: Was geben wir ab?
55Baum droht auf Leitung zu fallenFremde Zuständigkeit erkennen, nicht anfassen
70Keine neuen MeldungenOrdnet jemand von sich aus Kräfte zurück?

Die Minute 70 ist die wichtigste Zeile der Tabelle. Fast jede Sturmübung endet damit, dass der Übungsleiter „Ende" ruft. Besser ist, wenn die Führung selbst merkt, dass die Welle durch ist, und die Kräfte einsammelt – das ist im Einsatz die eigentliche Leistung.

Woran man merkt, dass der Faden weg ist

Drei Anzeichen, und alle drei sind von außen sichtbar, ohne dass man in den Funkverkehr hineinhören muss:

Erstens: Es wird nachgefragt statt gemeldet. Wenn die Führungsstelle anfängt, bei den Trupps nachzufragen, wo sie eigentlich sind, ist die Übersicht schon weg. Solange gemeldet wird, trägt sie noch.

Zweitens: Die zuletzt eingegangene Meldung wird zuerst bearbeitet. Das ist der klassische Kipppunkt. Wer nach Eingangsreihenfolge statt nach Dringlichkeit arbeitet, hat aufgehört zu entscheiden und fängt an zu reagieren.

Drittens: Niemand schreibt mehr mit. Sobald das Mitschreiben aufhört, gibt es keinen Stand mehr, sondern nur noch Erinnerung. Spätestens bei der vierten gleichzeitigen Stelle reicht Erinnerung nicht.

Die Frage am Ende jeder Sturmlage

Irgendwann ist die Wehr voll. Alle Trupps sind gebunden, es kommt eine weitere Meldung, und jemand muss sagen: Das schaffen wir nicht mehr.

Dieser Satz fällt in Übungen fast nie – und zwar aus einem verständlichen Grund: Er fühlt sich nach Versagen an. Im Einsatz ist er das Gegenteil. Er ist die Meldung, die der Leitstelle erlaubt, andere Kräfte zu schicken, bevor jemand eine Stunde auf Hilfe wartet, die nie kommt.

Deshalb gehört genau das in die Übung: eine Meldung mehr, als die Wehr tragen kann. Nicht als Falle, sondern damit der Satz einmal ausgesprochen wurde, bevor es darauf ankommt. Wer ihn im Übungsdienst gesagt hat, sagt ihn nachts um drei eine halbe Stunde früher.

Was danach übrig bleiben muss

Eine Sturmübung ohne Protokoll ist eine anstrengende Stunde ohne Ertrag. Niemand kann hinterher aus dem Kopf rekonstruieren, wann welche Meldung kam und wie lange bis zur Entscheidung verging – und genau diese beiden Zahlen sind der ganze Lernwert.

Das Trainer-Cockpit spielt die Meldungen zu den geplanten Zeitpunkten ein und schreibt nebenher mit: was wann einging, was daraus wurde, welches Fahrzeug wo gebunden war. In der Nachbesprechung wird daraus ein Zeitstrahl.

Auf dem Zeitstrahl sieht man Dinge, die im Raum niemand behaupten würde: dass zwischen Meldung 3 und der ersten Entscheidung elf Minuten lagen zum Beispiel. Darüber lässt sich reden. Über „das lief eigentlich ganz gut" nicht.

Die Lage selbst

Die elf Meldungen oben sind ein Gerüst, kein Drehbuch. Sie brauchen Ihre Orte: die Kreisstraße, die bei Ihnen wirklich zuwächst, das Wohngebiet, in dem die Keller wirklich volllaufen. Eine Sturmlage mit erfundenen Straßennamen bleibt ein Papierstapel.

Der Szenario-Generator baut das Gerüst – Meldebild, Fahrzeugaufträge, Injects mit Zeitpunkt – und liefert eine Lage in der Größe, die zur Wehr passt. Die Ortsnamen setzen Sie ein; das ist die Viertelstunde, die den Unterschied macht.

Und wenn sie funktioniert hat: auf den Marktplatz. Eine gute Sturmlage ist in fast jeder Gemeinde dieselbe Übung, nur mit anderen Straßennamen.

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