In vielen Wehren entsteht der Jahresübungsplan zwischen den Jahren: einer sitzt am Küchentisch, hat den Plan vom Vorjahr daneben liegen und schiebt Themen um zwei Wochen. Das geht schneller – und es ist der Grund, warum das Übungsjahr aussieht wie das davor.
Ein Übungsjahr aufzustellen ist keine Arbeit von Wochen. Es ist ein Abend, wenn man ihn in drei Durchgängen macht und die Reihenfolge einhält: erst die Termine, dann die Themen, zuletzt die Lagen. Wer mit den Lagen anfängt, sitzt nach zwei Stunden bei Übung Nummer drei.
Warum der Plan vom Vorjahr nicht trägt
Ein Jahresübungsplan, der nur aus Themen besteht, ist eine Absichtserklärung. „Technische Hilfeleistung" steht im März und im September, und in beiden Fällen entscheidet der Übungsleiter am Vortag, was das konkret heißt. Was dabei herauskommt, hängt davon ab, wer gerade Dienst hat.
Der zweite Fehler ist die Wiederholung, die niemandem auffällt. Über zwölf Termine verteilt fällt nicht auf, dass die Wehr dreimal einen Zimmerbrand im Erdgeschoss geübt hat und in keinem einzigen Fall etwas unter Erdgleiche. Erst wenn man die zwölf Lagen nebeneinanderlegt, sieht man die Lücke.
Durchgang eins: die Termine
Zuerst nur der Kalender, ohne Inhalte. Feste Termine eintragen – Hauptversammlung, Leistungsabzeichen, Gemeindefest, Ferien. Dann die Übungsabende dazwischen verteilen und die streichen, an denen ohnehin niemand kommt: die Woche nach Weihnachten, die zweite Augustwoche, der Abend nach dem Feuerwehrfest.
Was übrig bleibt, ist die ehrliche Zahl. In den meisten Wehren sind das zwischen zwölf und achtzehn Abende – nicht vierundzwanzig, wie der Plan im Januar behauptet.
Durchgang zwei: zwölf Themen über das Jahr
Jetzt erst die Inhalte, und zwar mit Blick auf die Jahreszeit. Was im Oktober ansteht, ist im Juli theoretisch – und umgekehrt.
| Zeitraum | Thema | Warum dann |
|---|---|---|
| Januar | Wasserförderung bei Frost | Offene Entnahmestellen sind zu, das fällt nur im Winter auf |
| Februar | Türöffnung, Menschenrettung | Innenangriff im Dunkeln, ohne Kälteproblem am Standrohr |
| März | Technische Hilfe, Verkehrsunfall | Vor der Motorradsaison, nicht mitten darin |
| April | Vegetationsbrand, Rückweg und Wasser | Erste trockene Wochen, bevor es ernst wird |
| Mai | Absturzsicherung, Höhe | Hell bis 21 Uhr – die einzige Zeit für Übungen in der Höhe |
| Juni | Großübung mit Nachbarwehr | Lange hell, gutes Wetter, alle da |
| Juli | Gerätekunde, Fahrzeugkunde | Dünne Besetzung – etwas, das auch zu fünft trägt |
| August | Löschwasserversorgung im Außenbereich | Niedrigster Wasserstand, ehrlichste Zahlen |
| September | Kleine Lage zum Wiedereinstieg | Nach der Pause holt man Leute mit Beteiligung zurück |
| Oktober | Unwetter, viele Einsatzstellen | Sturmsaison, und die Menge wird sonst nie geübt |
| November | Kellerbrand, Atemschutz unter Erdgleiche | Heizperiode beginnt, die Einsätze kommen zurück |
| Dezember | Nachtübung, Ausleuchtung | Um 17 Uhr dunkel – ohne Zusatzaufwand realistisch |
Die Tabelle ist ein Vorschlag, keine Vorgabe. Sie soll nur verhindern, dass die Verteilung dem Zufall folgt. Eine Wehr mit Autobahnabschnitt gewichtet die Technische Hilfe anders, eine mit Industriebetrieb den Gefahrgutteil.
Durchgang drei: zu jedem Termin eine Lage
Ein Thema ist noch keine Übung. Aus „Kellerbrand" wird erst dann ein Übungsabend, wenn feststeht: welches Objekt, welches Meldebild, wer welchen Auftrag hat, was schiefgeht und woran man am Ende merkt, ob es funktioniert hat.
Genau das ist die Arbeit, die im Dezember niemand zwölfmal macht. Der Szenario-Generator erzeugt aus einer Vorlage eine vollständige Lage: Stichwort, Lagebild, Erschwernisse, Lernziele, ein Auftrag je Fahrzeug und die Injects mit Zeitpunkt. Zwölfmal ausgeführt dauert das den Rest des Abends, nicht den Rest des Winters.
Zwei Dinge lohnen sich dabei besonders. Erstens die Einsatzgröße: Eine Wehr mit drei Fahrzeugen filtert auf „klein" und bekommt nur Lagen, die sie auch besetzen kann. Zweitens der Blick auf die zwölf Lagen nebeneinander – dort fällt auf, was dreimal vorkommt und was gar nicht.
Die unangenehme Frage: welche Übung fällt weg?
Jeder Plan hat einen Termin, den man aus Gewohnheit mitschleppt. Meistens ist es die Übung, die sich nicht beschreiben lässt, ohne dass jemand „das machen wir immer so" sagt.
Ein brauchbarer Prüfstein: Lässt sich in einem Satz sagen, was die Mannschaft danach kann, was sie vorher nicht konnte? Wenn nicht, ist es kein Übungsabend, sondern ein Termin. Zwei davon gestrichen bringen zwei Abende für Themen, die bisher nie drankamen – meistens sind das die unbequemen: Atemschutznotfall, Absturzsicherung, der Umgang mit einer Lage, die man nicht gewinnt.
Der Plan wird dadurch kürzer und besser. Ein Jahr mit vierzehn Übungen, die jemandem etwas beibringen, schlägt achtzehn, von denen vier Anwesenheitslisten sind.
Ausdrucken, bevor jemand danach fragt
Der Plan gehört auf Papier, und zwar bevor die Jahreshauptversammlung danach fragt. Ein Blatt mit zwölf Terminen, Thema und Übungsleiter hängt im Gerätehaus, geht an die Gemeinde und liegt beim Kreisbrandmeister in der Akte.
Die Lagen selbst bleiben bis zum Übungsabend liegen. Sie werden erst ausgedruckt, wenn sie gebraucht werden – sonst weiß die halbe Mannschaft im März schon, was im November kommt.
Zusammenspiel mit den anderen Werkzeugen
Der Jahresplan ist der Anfang, nicht das Ende. Am Übungsabend selbst übernimmt das Trainer-Cockpit die Lage und spielt die Injects zum geplanten Zeitpunkt ein. Danach macht die Nachbesprechung aus dem Protokoll einen Zeitstrahl mit Zahlen statt eines Gefühls.
Und wer eine Lage gebaut hat, die trägt, stellt sie auf den Marktplatz. Zwölf Lagen für ein Jahr aufzustellen ist Arbeit für einen Abend. Sie noch einmal zu bauen, weil eine Nachbarwehr dasselbe braucht, ist keine.