Belegt. Die Zeit bis zur Handlungsunfähigkeit wird nicht
mehr geschätzt, sondern nach den Gleichungen der Studie gerechnet:
- Kohlenmonoxid (Gl. 7.2, Purser-N-Gas) mit 25 l/min Atemminutenvolumen für leichte
Arbeit — also Kriechen — und 30 % COHb als Dosis für die Handlungsunfähigkeit:
t = 36 177 / ppm1,036
- Sauerstoffmangel (Gl. 7.4):
t = exp[8,13 − 0,54 · (20,9 − O₂)]
- Beides zusammen (Gl. 7.1): CO und Sauerstoffmangel ergeben eine toxische
Dosis, keine zwei getrennten Grenzwerte. Deshalb addieren sich hier die Dosisraten und
nicht die Zeiten.
- Hitze (Gl. 7.7, Konstanten nach Purser/Crane):
t = 4,1 · 10⁸ · T−3,61
Diese Konstanten gelten laut Studie für einen gesunden Erwachsenen in normaler Kleidung
und ausdrücklich nicht für einen Feuerwehrangehörigen in PSA.
- Wärmebelastungsklassen für den Trupp (Abb. 7.1 der Studie, nach Weinschenk,
Knight und Regan 2024) — Routine, Ordinary, Emergency I bis III. Für den AGT wird deshalb
diese Skala angezeigt und kein Aufschlag auf die Werte ungeschützter Haut.
Zwei Skalen, und sie widersprechen sich nicht.
Die erste rechnet in Minuten und fasst Hitze und Atemgift zusammen — sie wird fast überall
vom Kohlenmonoxid bestimmt, die Wärme verschwindet darin. Die zweite rechnet in Grad und
sagt nichts über das Atemgift. Ihre Schwellen stehen alle in Abschnitt 7.1.2:
44,8 °C ist die Temperatur, bei der die Haut in 0,1 mm Tiefe Schmerz meldet —
unabhängig davon, wie die Wärme ankommt; 60 °C ist die Grenze der atembaren
gesättigten Luft; bei 100 °C verbrüht Wasserdampf auf allen Ebenen der Atemwege;
über 120 °C trockener, ruhender Luft steigt die Körpertemperatur binnen 15 Minuten,
und über 42,5 °C Kerntemperatur ist es ohne Behandlung tödlich. Für den Trupp unter
Pressluftatmer gilt keine dieser Schwellen, sondern die Klassenskala darüber.
Warum beides nebeneinander steht: Ein Zimmer kann 120 °C zeigen und damit für die
Wärme allein 13 Minuten erträglich sein — und mit dem Atemgift daneben nur 1,4 Minuten.
Wer nur eine der beiden Skalen liest, liest die Lage falsch.
Und seit v4.00 auch die Zahlen.
Bis dahin waren die Stützwerte gesetzt. Jetzt liegen sie an den drei Höhen, an denen die
Studie gemessen hat — 30 cm, 91 cm und an der Decke — und sind an ihren Messtabellen
ausgerichtet:
- Im nicht abgeschotteten Nachbarzimmer auf 91 cm vor dem Löschen 8.000 bis
38.000 ppm CO bei 154 bis 198 °C und 5,8 bis 13,1 % Sauerstoff. Im entfernten Bad
auf 30 cm 14.000 bis 32.000 ppm bei 120 bis 164 °C. 60 s nach Löschbeginn überall
nur noch 2.000 bis 7.000 ppm und 44 bis 65 °C — Löschen wirkt schnell.
- Hüllkurve über neun Versuche: am Flurende auf 91 cm minimal 1,2 % Sauerstoff
und maximal 5 % CO — das war die Obergrenze des Messgeräts, der wahre Wert liegt
darüber. Deshalb ist auch hier bei 50.000 ppm Schluss.
- Hinter der geschlossenen Tür zur selben Zeit: 19,1 % Sauerstoff, 2.000 ppm CO,
unter 25 °C, unter 1 kW/m². Das ist der Türeffekt in Zahlen — und der Grund, warum
eine Tür in diesem Werkzeug mehr bewirkt als jede Höhe.
- Am selben Ort zur selben Zeit 398 °C auf 91 cm gegen 136 °C auf 30 cm, 0,3
gegen 4,0 % Sauerstoff. Deshalb rechnet dieses Werkzeug nicht mehr mit zwei Schichten:
ein Zweischichtmodell gibt unterhalb der Rauchgrenze überall denselben Wert aus und
macht den Höhenregler genau dort wirkungslos, wo es auf ihn ankommt.
- Aus den gemessenen Drillingen Sauerstoff / CO₂ / CO stammt das Kohlendioxid.
Es vergiftet in diesen Konzentrationen nicht selbst, aber es lässt schneller atmen und
beschleunigt damit die CO-Aufnahme — bei 6 % um den Faktor 3,3. Bis v3.99 fehlte
dieser Faktor, die angezeigten Zeiten waren dadurch zu lang.
Nicht belegt bleibt der Ablauf.
Wann welcher Zustand eintritt, ist interpoliert — die Studie misst zum Zeitpunkt der
Intervention, nicht in Minutenschritten seit Zündung. Ebenso die Ausbreitung von Raum zu Raum
(AUSBREITUNG) und der Grundriss. Die Rangfolge dahinter ist belegt, die
Zahlenwerte sind gewählt: Für die offene Tür so, dass das Nachbarzimmer in der gemessenen
Spanne landet; für die geschlossene liegt der Wert zwischen den beiden Zahlen, die die Studie
hergibt — über das CO gerechnet 0,04, über das Sauerstoffdefizit 0,09.
Was die Studie über die Rangfolge sagt: die geschlossene
Tür wirkt stärker als jede Höhe. Im selben Versuch maß ein isoliertes Zimmer die Dosis 0,003
und ein Zimmer mit offener Tür 4,696 — bei 1,0 als Schwelle. Erst danach kommt die Höhe:
niedriger ist durchgängig besser, aber „niedriger“ heißt nicht „überlebbar“. Im Flur neben
dem durchgezündeten Zimmer wurden 30 cm über dem Boden 136 °C bei 4 % Sauerstoff gemessen.
Zum Ansehen: was eine geschlossene Tür ausmacht.
Wie groß der Unterschied ist, lässt sich schlecht erzählen und gut zeigen — und das
Institut, das die Studie oben verantwortet, hat es 2017 vorgeführt. Für die
amerikanische Brandschutzwoche baute das Fire Safety Research Institute eines seiner
Versuchsgebäude dafür um: zwei Schlafzimmer, eines mit offener und eines mit
geschlossener Tür, sonst alles gleich.
2017
Close Before You Doze Demonstration Event — 3:20 min, englisch.
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Und für die Rettung: so schnell wie praktikabel und mit dem
Kopf der Person auf der niedrigsten brauchbaren Höhe — beides zusammen, nicht eines statt des
anderen. Ein Weg am Brandraum vorbei erhöht die Dosis gegenüber dem Liegenlassen im
abgeschotteten Zimmer. Und nach dem Löschen bleibt die Rauchschicht zunächst stehen: Der Kopf
gehört auch dann noch nach unten, bis gelüftet ist.
Die wichtigste Einschränkung: die Schwelle sagt die
Handlungsunfähigkeit voraus, nicht den Tod. Die Studie schreibt ausdrücklich, dass
Menschen mit überschrittener Dosis überlebt haben, wenn sie schnell gefunden, gerettet und
medizinisch versorgt wurden. Genau darum wird gesucht.
Fire Safety Research Institute, UL Research Institutes, Columbia MD —
Analysis of Search and Rescue Tactics in Single-Story Single-Family Homes.
Teil I (Schlafzimmerbrände) und Teil III (Tactical Considerations), C. Weinschenk und
K. Stakes, 17. Mai 2022, DOI 10.54206/102376/XSLA7995 · Teil IV, R. Schrader, K. Stakes
und R. Chaffer, Version 1.0 vom 11. März 2026, DOI 10.60752/102376.31589659.
Verwendet: Teil IV Abschnitte 7.1, 7.2, Tabellen 8.1 und 8.2, Anhang B; Teil III
Abschnitt 5; Teil I die Gaskonzentrationen. Alle Berichte frei verfügbar unter
CC BY-SA 4.0. Wärmebelastungsklassen nach C. Weinschenk, H. Knight und J. W. Regan,
Toward improved thermal exposure classes for structural firefighters,
Journal of Fire Sciences 42(3):217–235, 2024.